Rund um die Erde ... mit Gabriele und Herbert Hösler aus Köthen

  • Chateau de Vizelle
  • Alte Baumbestände im Parkgelände
  • Blick auf das Schloss
  • Auf dem Weg zur Grotte de Choranche
  • Cabane Cafe
  • Parkplatz vor der Kasse
  • Kassengebäude
  • Bkick in die Landschaft des Vercors
  • Fußweg zum Höhleneingang
  • Fußgängertunnel zur Höhle
  • Von Steinschlag geschützter Fußwegabschnitt
  • Ausstellungsnischen
  • Kathedralenhöhle
  • Calcitröhrchen
  • Unterirdischer Flusslauf
  • Grottenolm
  • Lichterschau
Chateau de Vizelle und Grotte de Choranche (01.06.26)
Unser erstes Tagesziel am zweiten Tag in Vif war der Besuch des Chateau de Vizelle, das nur etwa 15 km südlich von Grenoble liegt. Das reichlich zubereitete Frühstück reichte für den gesamten Tag.

Dieses prachtvolle Schloss (Eintritt ist frei) ist die Wiege der Französischen Revolution. Es ist berühmt als Schauplatz der États Généraux du Dauphiné. Die États Généraux du Dauphiné waren die große politische Versammlung vom 21. Juli 1788 im Château de Vizille. Es war ein Ereignis, das unmittelbar den Weg zur Französischen Revolution öffnete. Rund 395 Vertreter der drei Stände des Dauphiné – Noblesse, Klerus, Tiers-État – versammelten sich ohne königliche Erlaubnis in diesem Schloss. Gastgeber war der Industrielle Claude Perier, der das Treffen bewusst außerhalb von Grenoble organisierte, da der König eine Versammlung in der Stadt verboten hatte. Die Versammlung folgte direkt auf einen Aufstand in Grenoble, bei dem Bürger Soldaten mit Dachziegeln vertrieben, ein früher revolutionärer Akt. Die Teilnehmer der Versammlung verlangten die sofortige Einberufung der nationalen États Généraux (für ganz Frankreich), die Zulassung von Bürgerlichen zu allen öffentlichen Ämtern, die Verweigerung der Steuerzahlungen, solange diese nicht von einer legitimen Volksvertretung beschlossen wurden und die Wiederherstellung der Parlements, die der König zuvor entmachtet hatte. Diese Veranstaltung war die erste große politische Mobilisierung gegen die absolutistische Monarchie. Sie setzte ein Signal an ganz Frankreich, dass Reformen nicht länger aufgeschoben werden konnten. Nur ein Jahr später folgten die Einberufung der États Généraux in Versailles, der Sturm auf die Bastille und der Beginn der Revolution.

Leider verhinderten umfangreiche Restaurierungsarbeiten unseren Besuch. Das Schloss war nicht geöffnet.

So unternahmen wir bei angenehmen Temperaturen einen Spaziergang durch den 100 Hektar großen Park, der von einer 7 km langen Mauer umschlossen ist. Der Park verfügt über einen See, Kanäle, Wald, Rosengarten, es und eine große Wildtierreserve, die ursprünglich das Jagdrevier des Herzogs von Lesdiguières war. Im Park stehen über 80 Baumarten. Das Wasser prägt die gesamte Parkarchitektur. Die weiten Rasenflächen am Kanal werden von Grau- und Kanadagänsen kurz gehalten.

Nach dem Besuch des Chateaus de Vizelle steuerten wir unser zweites Tagesziel, die Grotte de Choranche, an. Die Strecke betrug ca. 70 km. Die Straße führt durch eine Schlucht und bereitet zwei sich kreuzenden LkW`s einige Probleme. Die Felsüberhänge machen Teile der Straße sehr eng, für Personenkraftwagen bei gegenseitiger Rücksichtnahme kein Problem. Kurz vor der Grotte de Choranche kann man im Cobane Cafe verweilen und das Angebot genießen.

Nach dem Besuch des Cafes fuhren wir zu der naheliegenden Grotte de Choranche. Sie ist eine der beeindruckendsten Tropfsteinhöhlen Frankreichs. Die Höhle ist berühmt für ihre extrem feinen, nadelförmigen Stalaktiten ("Calcitröhrchen"), ihre unterirdischen Seen und Flüsse sowie die Kathedralenhalle mit einem modernen Sound‑&‑Light‑Spektakel. Sie zählt zu den schönsten Schauhöhlen Europas und empfängt jährlich über 100.000 Besucher. Der Parkplatz liegt direkt unterhalb der Felswände. Die Kasse befindet sich gleich daneben. Hier kann man in einem zugeordneten Cafe die schöne Landschaft des Vercors genießen. Vom Kassenbereich führt ein sorgfältig angelegter, hervorragend präparierter Fußweg bis zum Eingang der Höhle. Ein Abschnitt dieses Weges verläuft durch einen sanft beleuchteten Fußgängertunnel, dessen Licht die Felsstruktur dezent hervorhebt. Das überhängende Gestein entlang des Pfades ist durch feinmaschigen Draht zuverlässig gesichert. Am Höhleneingang wurden in die natürlichen Felswände präzise ausgearbeitete Ausstellungsnischen eingelassen, in denen ausgewählte prähistorische Fundstücke, stille Zeugen einer längst vergangenen Zeit, präsentiert werden. Bevor die eigentliche Besichtigung beginnt, besteht die Möglichkeit, ein Audiophon in der eigenen Landessprache auszuleihen, das den Rundgang mit einer einfühlsamen akustischen Begleitung bereichert. 1871 entdeckten Dorfbewohner während einer schweren Dürre dieses weitverzweigte Höhlensystem. Die erste systematische Erforschung folgte 1897, und seit 1967 ist diese außergewöhnlich schöne Höhle erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich.

Die rund einstündige Führung begleitet zwei unterirdische Wasserläufe und führt durch mächtige Hallen, deren Gewölbe sich bis über 15 Meter erheben. Besonders eindrucksvoll sind die filigranen Calcitröhrchen: Sie erreichen Längen von bis zu drei Metern, wachsen jedoch in einem Jahrhundert kaum fünf Zentimeter. In Europa findet man diese fragilen Röhrchen nirgendwo in vergleichbarer Dichte. Die Kathedralenhalle bildet den Höhepunkt des Rundgangs. Es ist eine gewaltige Naturhalle mit Deckenhöhen bis zu 25 Metern. In der Höhle herrschen konstante 10 °C, weshalb eine Jacke dringend empfohlen wird. Der Eintritt beträgt 15,20  EURO pro Person. In der Höhle werden Protees (Grottenolme) gezeigt. Das sind faszinierende, blinde Höhlensalamander. Es handelt sich um die einzige europäische Höhlenwirbeltierart, die dauerhaft im Dunkel unterirdischer Gewässer lebt. Diese Tiere behalten zeitlebens ihre äußeren Kiemen und entwickeln keine funktionstüchtigen Augen. Die Orientierung erfolgt über Tastsinn, Geruch und feine Sinneshaare. Sie können 70-100 Jahre alt werden. Meist sind sie 25–30 cm, selten bis 40 cm groß. Sie können mit sehr wenig Nahrung auskommen und sogar monatelang fasten. Sie gehören zu den seltensten Amphibien Europas und stehen unter strengem Schutz. Den Abschluss der Besichtigung bildet eine Lichterschau in der Kathedralenhalle.
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